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Ich
weiß nicht, welcher Teufel mich im letzten Sommer geritten
hat, mich zum Rennsteig Supermarathon anzumelden. O.k., mein erster
Ultralauf sollte es werden mit 75 km. Aber mir war gar nicht so
klar, dass der Rennsteig der Höhenweg des Thüringer Waldes
ist - das heißt, er führt nicht nur durch den Thüringer
Wald, sondern über (!!) die Berge des Thüringer Waldes.
Aber einmal angemeldet habe ich mir gesagt: Das ziehst du jetzt
durch. Mit entsprechender langfristiger Vorbereitung wirst du das
schon schaffen. Also habe ich im Februar begonnen langsam aufzubauen.
Das
Ziel in Schmiedefeld ist ja lange auf - und wenn ich nicht mehr
kann, wandere ich eben den Rest. 50 bis 60 km werde ich bei meinem
Trainingszustand gut durchhalten und dann mal sehen was kommt. Irgendwie
komme ich schon durch. Vorher ausgestiegen wird auf keinen Fall!
Der
Start in Eisenach auf dem Marktplatz war Samstag morgens um 6.00
Uhr (Ich hatte Freitag frei genommen, um mir schon die Gegend anzusehen
und die Startnummer abzuholen). Die Temperaturen waren ideal mit
10 bis 12 Grad. Ab Eisenach geht es 25 km ununterbrochen bergauf
auf den Inselberg (950m).
Zunächst
war ich gespannt darauf, wie ich wohl auf den Inselberg komme. Es
zog sich... und zog sich... (sind wir endlich bald oben - geht es
denn immer noch höher?). Nach über zweieinhalb Stunden
hatte ich es endlich geschafft und fühlte mich relativ gut.
Von dem steilen Abstieg hatte ich gehört und ging ihn vorsichtig
an. Er hat mir nicht so viel ausgemacht. Der Rennsteig ist schon
ein schöner Weg und ich kam natürlich auch mit einer ganzen
Reihe von Mitläufern ins Gespräch. Alle waren wirklich
gut drauf - eine tolle Stimmung. Das zweite Drittel des Laufs ist
ein längerer Abschnitt mit ständigem auf und ab. Flach
ist es auf der ganzen Strecke nicht - dafür gibt es ca. ein
Dutzend so steile Steigungen, dass man sie nicht laufen, sondern
nur gehen kann.
Bei
km 30 fühlte ich mich noch locker drauf (beim Marathon ist
man da schon angestrengter), so dass ich der 35-km-Marke entgegen
sah nach dem Motto: Die Hälfte (2x35 plus dem Rest) ist dann
schon geschafft. Bei km 45 (immerhin schon mehr als jeder Marathon
bisher) fühlte ich mich auch unerwartet gut drauf, was mich
motivierte. Mir war dort erstmals klar, dass ich durchkomme - es
würde nur eine Frage der Zeit werden. Und da habe ich mir (was
ich niemandem vorher erzählt habe wieder gesagt: Eine Zeit
unter 8:00 wäre phantastisch, alles andere aber auch o.k..
Wer schafft überhaupt solche Distanzen?!!!
So
lief ich halbe Stunde um halbe Stunde. Mal hoch, mal runter. Ja,
der Rennsteig ist ein schöner Höhenwanderweg. Und ich
lernte eine neue Form des Muskelkaters kennen. Schließlich
wurden bei dem ständigen auf und ab Muskeln benötigt,
die ich sonst im Flachland nicht brauche und die auch nicht trainiert
waren. Aber es ging und ließ sich verkraften.
Der
Beerberg ist der höchste Punkt der Strecke bei km 65 (980m).
Die letzten 10km geht es fast nur noch bergab - das kann kein Problem
mehr sein, wenn man es bis dahin geschafft hast, sagte ich mir.
Ich muß sagen, dass ich den Anstieg zum Beerberg mir schlimmer
vorgestellt hatte. Als ich das Schild sah, fragte ich meine Mitläufer:
Wie? Sind wir schon oben? .
Na
ja - und dann ging es tatsächlich ziemlich viel bergab. Zu
der Zeit - schon den Beerberg hinauf war ich schneller als viele
der Mitläufer, da ich mein Tempo konstant halten konnte, aber
die anderen langsamer wurden. Das motivierte mich sehr. Kurz nach
dem Beerberg traf ich dann auf einen Hamburger Mitläufer, den
ich im ersten Drittel schon kennen gelernt hatte und der ebenso
gut drauf war. Er sagte: Ich fühle mich gut - komm, wir geben
jetzt noch mal Stoff bis ins Ziel. Irgendwie habe ich mich mitreißen
lassen. Wir haben uns mehrfach gegenseitig darin bestärkt,
wie toll es doch ist, das man nach 65 und 70 Kilometern noch so
gut drauf ist und laufen kann! Und das noch als "Flachländer".
Ich hätte nie gedacht, dass die letzten 10 Kilometer des Rennsteiglaufs
meine schnellsten würden!
Ich
habe es tatsächlich geschafft!!! in 7:39 Stunden. Platz 358
von über 1600 Startern!!! Ich war mehr als zufrieden.
Heute
kann ich sagen: Der Rennsteig ist eine super Strecke für einen
Lauf! Und der Lauf ist super organisiert! Das Ziel in Schmiedefeld
auf der großen Wiese ist toll. 14.000 Leute im Ziel aus verschiedenen
Distanzen (Diverse Wanderstrecken, Halbmarathon, Marathon und Supermarathon).
Dieser kleine Ort im Thüringer Wald, total überlaufen.
Einmal im Jahr ist da der Bär los (ansonsten wohl eher tote
Hose). Ja, ich war auch mit (Puschkin-Cap-)Bär da (der 10.
Einsatz). Die Atmosphäre im Ziel, diese erschöpfte, aber
glückliche Menschenmenge mit der Freude jedes einzelnen es
über verschiedene Distanzen ins Ziel geschafft zu haben fand
ich Klasse. Rennsteig, ich komme wieder!
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