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Der "lange Kanten" am Rennsteig
Von Heiko Piossek
Bericht zum Rennsteiglauf im Mai 2002

Ich weiß nicht, welcher Teufel mich im letzten Sommer geritten hat, mich zum Rennsteig Supermarathon anzumelden. O.k., mein erster Ultralauf sollte es werden mit 75 km. Aber mir war gar nicht so klar, dass der Rennsteig der Höhenweg des Thüringer Waldes ist - das heißt, er führt nicht nur durch den Thüringer Wald, sondern über (!!) die Berge des Thüringer Waldes. Aber einmal angemeldet habe ich mir gesagt: Das ziehst du jetzt durch. Mit entsprechender langfristiger Vorbereitung wirst du das schon schaffen. Also habe ich im Februar begonnen langsam aufzubauen.

Das Ziel in Schmiedefeld ist ja lange auf - und wenn ich nicht mehr kann, wandere ich eben den Rest. 50 bis 60 km werde ich bei meinem Trainingszustand gut durchhalten und dann mal sehen was kommt. Irgendwie komme ich schon durch. Vorher ausgestiegen wird auf keinen Fall!

Der Start in Eisenach auf dem Marktplatz war Samstag morgens um 6.00 Uhr (Ich hatte Freitag frei genommen, um mir schon die Gegend anzusehen und die Startnummer abzuholen). Die Temperaturen waren ideal mit 10 bis 12 Grad. Ab Eisenach geht es 25 km ununterbrochen bergauf auf den Inselberg (950m).

Zunächst war ich gespannt darauf, wie ich wohl auf den Inselberg komme. Es zog sich... und zog sich... (sind wir endlich bald oben - geht es denn immer noch höher?). Nach über zweieinhalb Stunden hatte ich es endlich geschafft und fühlte mich relativ gut. Von dem steilen Abstieg hatte ich gehört und ging ihn vorsichtig an. Er hat mir nicht so viel ausgemacht. Der Rennsteig ist schon ein schöner Weg und ich kam natürlich auch mit einer ganzen Reihe von Mitläufern ins Gespräch. Alle waren wirklich gut drauf - eine tolle Stimmung. Das zweite Drittel des Laufs ist ein längerer Abschnitt mit ständigem auf und ab. Flach ist es auf der ganzen Strecke nicht - dafür gibt es ca. ein Dutzend so steile Steigungen, dass man sie nicht laufen, sondern nur gehen kann.

Bei km 30 fühlte ich mich noch locker drauf (beim Marathon ist man da schon angestrengter), so dass ich der 35-km-Marke entgegen sah nach dem Motto: Die Hälfte (2x35 plus dem Rest) ist dann schon geschafft. Bei km 45 (immerhin schon mehr als jeder Marathon bisher) fühlte ich mich auch unerwartet gut drauf, was mich motivierte. Mir war dort erstmals klar, dass ich durchkomme - es würde nur eine Frage der Zeit werden. Und da habe ich mir (was ich niemandem vorher erzählt habe wieder gesagt: Eine Zeit unter 8:00 wäre phantastisch, alles andere aber auch o.k.. Wer schafft überhaupt solche Distanzen?!!!

So lief ich halbe Stunde um halbe Stunde. Mal hoch, mal runter. Ja, der Rennsteig ist ein schöner Höhenwanderweg. Und ich lernte eine neue Form des Muskelkaters kennen. Schließlich wurden bei dem ständigen auf und ab Muskeln benötigt, die ich sonst im Flachland nicht brauche und die auch nicht trainiert waren. Aber es ging und ließ sich verkraften.

Der Beerberg ist der höchste Punkt der Strecke bei km 65 (980m). Die letzten 10km geht es fast nur noch bergab - das kann kein Problem mehr sein, wenn man es bis dahin geschafft hast, sagte ich mir. Ich muß sagen, dass ich den Anstieg zum Beerberg mir schlimmer vorgestellt hatte. Als ich das Schild sah, fragte ich meine Mitläufer: Wie? Sind wir schon oben? .

Na ja - und dann ging es tatsächlich ziemlich viel bergab. Zu der Zeit - schon den Beerberg hinauf war ich schneller als viele der Mitläufer, da ich mein Tempo konstant halten konnte, aber die anderen langsamer wurden. Das motivierte mich sehr. Kurz nach dem Beerberg traf ich dann auf einen Hamburger Mitläufer, den ich im ersten Drittel schon kennen gelernt hatte und der ebenso gut drauf war. Er sagte: Ich fühle mich gut - komm, wir geben jetzt noch mal Stoff bis ins Ziel. Irgendwie habe ich mich mitreißen lassen. Wir haben uns mehrfach gegenseitig darin bestärkt, wie toll es doch ist, das man nach 65 und 70 Kilometern noch so gut drauf ist und laufen kann! Und das noch als "Flachländer". Ich hätte nie gedacht, dass die letzten 10 Kilometer des Rennsteiglaufs meine schnellsten würden!

Ich habe es tatsächlich geschafft!!! in 7:39 Stunden. Platz 358 von über 1600 Startern!!! Ich war mehr als zufrieden.

Heute kann ich sagen: Der Rennsteig ist eine super Strecke für einen Lauf! Und der Lauf ist super organisiert! Das Ziel in Schmiedefeld auf der großen Wiese ist toll. 14.000 Leute im Ziel aus verschiedenen Distanzen (Diverse Wanderstrecken, Halbmarathon, Marathon und Supermarathon). Dieser kleine Ort im Thüringer Wald, total überlaufen. Einmal im Jahr ist da der Bär los (ansonsten wohl eher tote Hose). Ja, ich war auch mit (Puschkin-Cap-)Bär da (der 10. Einsatz). Die Atmosphäre im Ziel, diese erschöpfte, aber glückliche Menschenmenge mit der Freude jedes einzelnen es über verschiedene Distanzen ins Ziel geschafft zu haben fand ich Klasse. Rennsteig, ich komme wieder!



Über den Autor

Heiko Piossek,
Leser im Fun-
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