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Mein
Lauf, der "Maiglöckchen II - Lauf für ambitionierte
Läuferinnen" sollte als 3. Lauf an diesem Tag um 13.30
h losgehen. Ich war schon 11.30 h da, viel zu früh, wie sich
später herausstellte. Das Wetter war sehr schlecht, kühl
leichter Regen, der später bis kurz vor dem ersten Lauf 12.15
h noch sehr heftig wurde. Ich besorgte mir meine Startnummer (45)
und mein Mann, meine beiden Söhne und ich gingen erst mal alle
zusammen die Strecke ab, die ich dann insgesamt 4 mal = 5000 Meter
laufen sollte. Da kam sie mir sehr lang vor!
Anschließend
gingen die drei noch für eine Stunde in ein benachbartes Museum,
es war immer noch viel Zeit bis zu meinem Start und sehr nass und
kalt. Ich hielt mich in der Zeit abwechselnd auf der Toilette und
im Start-/Ziel-Bereich auf. Der erste Lauf , ein Einsteiger-Jedermannslauf
über 3 Runden = 4000 m hatte pünktlich 12.15 h begonnen.
Ich beneidete diese Teilnehmerinnen dafür, dass sie nicht mehr
länger warten mussten!! Das war das schlimmste für mich!
12.40h, der 2. Lauf über 5000 m begann, alle Mädchen und
Frauen bis Jahrgang 1963. Da ich 62-er Jahrgang bin, war das gerade
nicht mehr meine Klasse...Warten, noch mal auf Toilette, dabei umziehen.
Jeans aus, Laufhose an. Wieder beim Start kam auch meine Familie
wieder dazu. Meine Nervosität stieg immer mehr, schon auf dem
Weg zur Toilette (zum 3. Mal) trabte ich zum Einlaufen und - merkte
ich da etwa leichte Anzeichen von Seitenstechen? Panik !! "Das
fängt ja gut an," dachte ich, "was mache ich bloß,
wenn´s nachher so richtig doll wird?"
10
Minuten vor dem eigentlichen Start noch ein Versuch, leichtes Einlaufen,
wieder dieses Ziehen am Rippenbogen! Ich versuchte es zu ignorieren
und hoffte einfach darauf, dass es im Lauf gut sein würde.
Endlich
der Aufruf zum Start. Mein Puls bei 130.
5
- 4 - 3 - 2 - 1 : Los !!
Ich
wollte die guten Ratschläge, die ich vielfach bekommen habe,
wirklich beherzigen und lief ganz gemächlich los...! Mindestens
drei Viertel (so zumindest kam es mir vor) der Mit-Läuferinnen
zogen mit einem Affenzahn an mir vorbei!! Ich kam mir vor wie eine
festgeklebte Schnecke. Dachte nur "Was willst du hier eigentlich
- außer dich total blamieren...!" Kurz: ich war total
gefrustet. Dazu hatte ich einen Puls von 160 - 170. Schneller laufen
war erst mal nicht drin. Im Verlauf der ersten Runde kam dann allerdings
etwas Ruhe rein, ich wurde nur noch vereinzelt überholt und
hatte dann einige gleichbleibende Läuferinnen vor mir.
In der 2. Runde wurde ich dann etwas ruhiger, mein Puls allerdings
nicht, er raste weiter. Da ich mich aber gut fühlte - körperlich
- hab ich das einfach nicht beachtet. Psychisch war ich noch immer
leicht frustriert und ernüchtert, was sich aber im Laufe dieser
Runde allerdings zusehend besserte. Dann Halbzeit, toller Jubel
im Start-/Zielbereich, meine Söhne grölten, vom Ansager
wurde ich diesmal sogar vorgestellt, wer ich bin und woher ich komme.
Die 3. Runde war die Genießerrunde. Und sozusagen die "Realitätsrunde"...
weil ich nämlich ohne großartig zu kämpfen einige
der Frauen, die am Anfang losgeprescht waren, wieder einholen und
überholen konnte.
Letzte
Runde! Kurz nachdem ich das letzte mal den Startbereich passiert
hatte, hörte ich, dass die Siegerin dieses Laufes wohl schon
kurz vor dem Ziel war - Da war ich richtig froh, nicht überrundet
worden zu sein. Ich peilte die Lage vor mir und sah in ungefähr
50 Meter Entfernung 2 Frauen nebeneinander herlaufen. Mein Kampfgeist
war geweckt, wenigstens diese Beiden wollte ich im Laufe dieser
letzten Runde noch "packen". Viel Widerstand würden
die beiden allerdings nicht bieten, sie unterhielten sich während
dem Laufen beneidenswerterweise ganz entspannt miteinander. Nach
einer dreiviertel Runde hatte ich sie und beim Überholen wechselte
ich sogar noch einige Worte mit Ihnen.
Endspurt!!
Ich riskierte noch einen kurzen Blick auf meinen Pulsmesser, 183...
Ich gab noch mal alles, wurde beim letzten Startdurchlauf noch mal
kräftig angefeuert, um dann total geschafft in den einigen
Meter weiter eingerichteten Zieleinlauf zu gelangen.
Ich
stand erst mal in einer Schleuse, der Strichcode meiner Startnummer
wurde entfernt und dann wurde ich von meiner Familie erwartet. Es
gab zu Trinken vom Organisationsteam, ich war körperlich zwar
schon im Ziel , mental war ich die ersten Minuten in einem Ausnahmezustand,
so abrupt habe ich auch noch keinen Lauf beendet! Da war der Gedanke
"bin ich wirklich schon im Ziel?" und "Das ging alles
so schnell" vermischt mit einem tollen Glücksgefühl.
Bei
der anschließenden Siegerehrung erfuhr ich dann meine Zeit:
ich war die 5000 Meter in 27 Minuten 34 Sekunden gelaufen. In meiner
Altersklasse war ich die 12. Schnellste von insgesamt 17. Von allen
die in diesem Lauf mitgelaufen waren kam ich als 20. ins Ziel, von
insgesamt 41.
Und von allen 5000-Meter-Läuferinnen, also auch die Jugend
und jüngeren Frauen, war ich die 65. von genau 100.
Zugegeben,
im ersten Moment war ich enttäuscht und ernüchtert. Jetzt,
2 Tage später da ich diesen Bericht schreibe, denke ich anders:
Die Tatsachen sind einfach die: dieser Lauf war die erste Gelegenheit
nach einer knapp 4-Monatigen Läuferinnen-Karriere zu schauen,
wo ich stehe. Und da wo ich mich jetzt sehe, ist das völlig
in Ordnung. Hatte ich nicht im September 2001 noch einen schweren
Bandscheibenvorfall zu überstehen...und hatte ich nicht erst
Ende November 2001 das Rauchen aufgesteckt! Und: Wenn mir jemand
vor einem Jahr, sogar vor einem halben Jahr noch gesagt hätte,
ich würde im Mai 2002 5000 Meter ohne Unterbrechung bei einem
Volkslauf laufen...meine Antwort wäre gewesen, dass eher der
Papst ein Kind kriegen würde...
Fest
steht schon mein nächster Lauf vom gleichen Organisationsteam:
der Darmstädter Stadtlauf am 26.06. 2002 , wieder über
5000 Meter.
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