|
Sonnabend, der
Tag vor dem Marathon:
So langsam wird es ernst. Ich fahre nach Hamburg um mir meine Startunterlagen
ab zu holen, mir die Marathonmesse an zu sehen und ein paar Leute
aus dem Internet zu treffen. Ich hatte mein Auto auf einem P&R
Parkplatz abgestellt und bin mit der U-Bahn zur Messe gefahren,
um einen identischen Ablauf wie am Marathontag zu haben. Als ich
bei den Messehallen aussteige, werde ich allerdings das erste mal
ein wenig nervös. Das abholen der Startunterlagen geht dank
einer guten Organisation sehr schnell. Bei der Durchsicht meiner
Unterlagen stelle ich erfreut fest, dass ich trotz meines ersten
Marathon gleich in Starblock A schwarz eingeteilt bin, dies ist
der zweite Block des A-Starts. Die Marathonmesse ist sehr voll,
ich kann für mich auch keine Schnäppchen machen. Das Treffen
mit den Leuten aus dem Internet ist sehr Interessant und meine Nervosität
geht auch wieder vorbei. Am Abend habe ich dann noch meinen Kleiderbeutel
gepackt und meine Rennbekleidung zu recht gelegt. Zwischendurch
noch einen Anruf bei meinem Supportteam (Zwei meiner Schwestern
werden mich am Sonntag begleiten). Danach gehe ich früh ins
Bett.
Sonntag, Tag X:
Ich wache pünktlich um 4:30 Uhr auf, schließlich habe
ich gleich VIER Wecker gestellt. ;-) Ich habe erstaunlich gut geschlafen
und bin auch jetzt noch nicht nervös. Bei einem Blick aus dem
Fenster werde ich allerdings doch ein wenig nervös: Nebel!
Da werden meine Schwestern wohl nicht so früh wie geplant aus
Ostfriesland bei mir in Bremen sein. Beim Frühstück (Zwei
Brötchen mit Pflaumenmus und Honig, eine Banane) entspanne
ich mich wieder. Als meine Schwestern eintreffen brechen wir dann
auch sofort nach Hamburg auf. Die Fahrt durch den Nebel wird noch
durch zwei Pinkelpausen unterbrochen, verläuft aber sonst Problemlos.
In Hamburg stelle ich bei der Fahrt in der U-Bahn schon fast erstaunt
fest, dass ich recht ruhig bin. An den Messehallen angekommen, trenne
ich mich von meinen Schwestern und mache mich auf zur Kleiderbeutelabgabe.
Als ich zu meinen Starblock komme, kehrt erst mal wieder die Nervosität
zurück. Kurze Gespräche mit den Mitstartern beruhigen
meine Nerven aber wieder.
Der Start erfolgt und wir Läufer weiter hinten merken erst
nach ein paar Sekunden das es vorne schon los gegangen ist. Bis
zum Start ist erst mal nicht ans Laufen zu denken, wir gehen also.
Kurz hinter den Startmatten können wir aber doch mit dem Laufen
anfangen. Die große Gefahr besteht im zu schnellem Starten
auf den ersten Kilometern, dies kann ich recht gut vermeiden und
bin mit 5:04 Minuten geringfügig langsamer als der geplante
Kilometerschnitt von 4:48. Es geht jetzt gleich auf die Reeperbahn,
wobei sich hier aber keiner lange Aufhält. ;-) Es geht Richtung
Altona und nach einigen Kilometern auf der Elbchaussee zurück
nach St. Pauli und den Landungsbrücken. Die Zeit bei 10 Kilometer:
47:54 Minuten, sechs Sekunden schneller als geplant, also fast Perfekt.
Jetzt folgt eine Gefällstrecke runter zum Fischmarkt. Vor diesem
Abschnitt hatte schon Andreas Huenerberg in seiner Streckenbeschreibung
gewarnt. Da ich mir einen größeren Muskelkater am Montag
ersparen will, laufe ich das Gefälle lieber Vorsichtig und
lasse diejenigen passieren, die diese Stelle zur Temposteigerung
nutzten. Hier sind auch unglaubliche Zuschauermassen, dadurch fällt
es schon fast schwer nicht zu schnell zu werden. Nach Kilometer
15 geht es durch den Wallringtunnel, hier sind wir Läufer unter
uns und die Schritte der vielen Füsse hallen durch den Tunnel,
ein interessantes Geräusch. Als ich aus dem Tunnel rauskomme,
ist auch plötzlich der Nebel verschwunden und die Sonne lässt
sich blicken. Jetzt geht es um die Binnenalster und über die
Kennedybrücke zur Außenalster. Das Ergebnis der Zeitnahme
bei Kilometer 20: 1:35:27, die zweiten 10km bin ich in 47:33 Minuten
gelaufen, also etwas schneller als die ersten. Weiter geht es Richtung
Stadtpark und City-Nord, wo die großen Firmen ihren Sitz haben
und Feste veranstalten, wodurch auch hier sehr viele Zuschauer stehen.
Richtung Ohlsdorf, dem nördlichsten und am weitesten vom Ziel
entfernten Teil der Strecke ist die Zeitmessung für Kilometer
30: 2:23:18, die dritten 10 km bin ich in 47:51 gelaufen. Etwas
langsamer als die zweiten 10 km, aber immer noch etwas schneller
als die geplanten 48 Minuten-Splitts. Hier fängt der Marathon
erst richtig an und ich habe auch eingeplant, dass ich evtl. langsamer
werden könnte, habe hier aber schon ein wenig "Reservezeit"
um mein Ziel, 3:30 Stunden, zu erreichen. Bei Kilometer 31 überhole
ich noch einen Bekannten vom LC Hansa Stuhr, wo ich einige Male
mit trainiert habe. Meine Kilometer-Splitts werden hier noch nicht
langsamer und auch die Muskulatur fühlt sich noch gut an. Auf
der Alsterkrugchausse geht es zurück zur Außenalster.
Bei Kilometer 35 soll ja bekanntlich oft der "Mann mit dem
Hammer" zuschlagen. Ich habe ihn erfreulicherweise nicht gesehen,
aber ich hatte ihn auch nicht eingeladen. ;-) Ich habe jetzt ein
sicheres Gefühl, dass ich es unter 3:30 schaffen kann. Nach
dem 35. Kilometer läuft man durch enge Zuschauergassen und
ich bekomme eine aüsserst angenehme Gänsehaut und kann
sogar mein Tempo etwas erhöhen. Bei Kilometer 38 werden die
Beine allerdings doch etwas Schwerer. Die Zeitnahme bei Kilometer
40 bestätigt die Tempoverschärfung: 3:10:31. Die vierten
10 km sind die schnellsten, ich bin sie in 47:13 Minuten gelaufen.
Der Plan hatte für km 40 eine Zeit von 3:18 vorgesehen, ich
liege also wahnsinnig gut in der Zeit. Ich kann aber meine Beine
hier schon deutlich fühlen und es wird doch langsam hart. Nach
dem Kilometer 41 habe ich das Gefühl, ich kann das Laktat deutlich
spüren, was aber wohl doch eine Täuschung ist. Ich schaue
jetzt angestrengt auf das Schild mit der Kilometerangabe 42. Nach
zwei Rechtskurven sehe ich dann plötzlich das Zielbanner, jetzt
laufen die Beine schon fast von selbst. Ich schaue nur noch Richtung
Ziel und schätze, dass mir zu diesem Zeitpunkt ein doch recht
merkwürdiges Grinsen ins Gesicht gemeißelt steht, ich
merke eine unglaubliche Euphorie. Im Ziel renne ich noch fast einen
anderen Läufer um, der unmittelbar hinter der Ziellinie stehen
geblieben ist. Die Kleiderbeutelrückgabe erfolgt reibungslos.
Die Duschen sind zwar kalt, aber angesichts der sonst sehr guten
Organisation kann ich es verkraften. Für die Soforturkunden
braucht man auch nicht lange Anstehen und so kann ich recht Schnell
ungläubig auf meine Nettozeit blicken: 3:21:00. Anschließend
habe ich noch ein paar Läufer von LC Hansa Stuhr getroffen,
mit denen ich noch mit einem Becher Sekt angestoßen habe.
Fazit:
Mein erster Marathon war, auch auf Grund des guten Wetters, ein
unglaublich schönes Erlebnis, dass ich wohl nie vergessen werde.
Auch die Tatsachen, eine Superzeit gelaufen und den "Hammermann"
nicht begegnet zu sein, haben hierzu beigetragen. Sehr schön
war auch, dass ich am Montagmorgen fast keinen Muskelkater hatte.
Ich freue mich schon jetzt auf meinen zweiten im Herbst.
|