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Mein Marathondebüt:
Von Dieter Tjaden
Bericht zum 17. Hansaplastmarathon vom 21.04.2002

Sonnabend, der Tag vor dem Marathon:

So langsam wird es ernst. Ich fahre nach Hamburg um mir meine Startunterlagen ab zu holen, mir die Marathonmesse an zu sehen und ein paar Leute aus dem Internet zu treffen. Ich hatte mein Auto auf einem P&R Parkplatz abgestellt und bin mit der U-Bahn zur Messe gefahren, um einen identischen Ablauf wie am Marathontag zu haben. Als ich bei den Messehallen aussteige, werde ich allerdings das erste mal ein wenig nervös. Das abholen der Startunterlagen geht dank einer guten Organisation sehr schnell. Bei der Durchsicht meiner Unterlagen stelle ich erfreut fest, dass ich trotz meines ersten Marathon gleich in Starblock A schwarz eingeteilt bin, dies ist der zweite Block des A-Starts. Die Marathonmesse ist sehr voll, ich kann für mich auch keine Schnäppchen machen. Das Treffen mit den Leuten aus dem Internet ist sehr Interessant und meine Nervosität geht auch wieder vorbei. Am Abend habe ich dann noch meinen Kleiderbeutel gepackt und meine Rennbekleidung zu recht gelegt. Zwischendurch noch einen Anruf bei meinem Supportteam (Zwei meiner Schwestern werden mich am Sonntag begleiten). Danach gehe ich früh ins Bett.

Sonntag, Tag X:

Ich wache pünktlich um 4:30 Uhr auf, schließlich habe ich gleich VIER Wecker gestellt. ;-) Ich habe erstaunlich gut geschlafen und bin auch jetzt noch nicht nervös. Bei einem Blick aus dem Fenster werde ich allerdings doch ein wenig nervös: Nebel! Da werden meine Schwestern wohl nicht so früh wie geplant aus Ostfriesland bei mir in Bremen sein. Beim Frühstück (Zwei Brötchen mit Pflaumenmus und Honig, eine Banane) entspanne ich mich wieder. Als meine Schwestern eintreffen brechen wir dann auch sofort nach Hamburg auf. Die Fahrt durch den Nebel wird noch durch zwei Pinkelpausen unterbrochen, verläuft aber sonst Problemlos. In Hamburg stelle ich bei der Fahrt in der U-Bahn schon fast erstaunt fest, dass ich recht ruhig bin. An den Messehallen angekommen, trenne ich mich von meinen Schwestern und mache mich auf zur Kleiderbeutelabgabe. Als ich zu meinen Starblock komme, kehrt erst mal wieder die Nervosität zurück. Kurze Gespräche mit den Mitstartern beruhigen meine Nerven aber wieder.

Der Start erfolgt und wir Läufer weiter hinten merken erst nach ein paar Sekunden das es vorne schon los gegangen ist. Bis zum Start ist erst mal nicht ans Laufen zu denken, wir gehen also. Kurz hinter den Startmatten können wir aber doch mit dem Laufen anfangen. Die große Gefahr besteht im zu schnellem Starten auf den ersten Kilometern, dies kann ich recht gut vermeiden und bin mit 5:04 Minuten geringfügig langsamer als der geplante Kilometerschnitt von 4:48. Es geht jetzt gleich auf die Reeperbahn, wobei sich hier aber keiner lange Aufhält. ;-) Es geht Richtung Altona und nach einigen Kilometern auf der Elbchaussee zurück nach St. Pauli und den Landungsbrücken. Die Zeit bei 10 Kilometer: 47:54 Minuten, sechs Sekunden schneller als geplant, also fast Perfekt. Jetzt folgt eine Gefällstrecke runter zum Fischmarkt. Vor diesem Abschnitt hatte schon Andreas Huenerberg in seiner Streckenbeschreibung gewarnt. Da ich mir einen größeren Muskelkater am Montag ersparen will, laufe ich das Gefälle lieber Vorsichtig und lasse diejenigen passieren, die diese Stelle zur Temposteigerung nutzten. Hier sind auch unglaubliche Zuschauermassen, dadurch fällt es schon fast schwer nicht zu schnell zu werden. Nach Kilometer 15 geht es durch den Wallringtunnel, hier sind wir Läufer unter uns und die Schritte der vielen Füsse hallen durch den Tunnel, ein interessantes Geräusch. Als ich aus dem Tunnel rauskomme, ist auch plötzlich der Nebel verschwunden und die Sonne lässt sich blicken. Jetzt geht es um die Binnenalster und über die Kennedybrücke zur Außenalster. Das Ergebnis der Zeitnahme bei Kilometer 20: 1:35:27, die zweiten 10km bin ich in 47:33 Minuten gelaufen, also etwas schneller als die ersten. Weiter geht es Richtung Stadtpark und City-Nord, wo die großen Firmen ihren Sitz haben und Feste veranstalten, wodurch auch hier sehr viele Zuschauer stehen. Richtung Ohlsdorf, dem nördlichsten und am weitesten vom Ziel entfernten Teil der Strecke ist die Zeitmessung für Kilometer 30: 2:23:18, die dritten 10 km bin ich in 47:51 gelaufen. Etwas langsamer als die zweiten 10 km, aber immer noch etwas schneller als die geplanten 48 Minuten-Splitts. Hier fängt der Marathon erst richtig an und ich habe auch eingeplant, dass ich evtl. langsamer werden könnte, habe hier aber schon ein wenig "Reservezeit" um mein Ziel, 3:30 Stunden, zu erreichen. Bei Kilometer 31 überhole ich noch einen Bekannten vom LC Hansa Stuhr, wo ich einige Male mit trainiert habe. Meine Kilometer-Splitts werden hier noch nicht langsamer und auch die Muskulatur fühlt sich noch gut an. Auf der Alsterkrugchausse geht es zurück zur Außenalster. Bei Kilometer 35 soll ja bekanntlich oft der "Mann mit dem Hammer" zuschlagen. Ich habe ihn erfreulicherweise nicht gesehen, aber ich hatte ihn auch nicht eingeladen. ;-) Ich habe jetzt ein sicheres Gefühl, dass ich es unter 3:30 schaffen kann. Nach dem 35. Kilometer läuft man durch enge Zuschauergassen und ich bekomme eine aüsserst angenehme Gänsehaut und kann sogar mein Tempo etwas erhöhen. Bei Kilometer 38 werden die Beine allerdings doch etwas Schwerer. Die Zeitnahme bei Kilometer 40 bestätigt die Tempoverschärfung: 3:10:31. Die vierten 10 km sind die schnellsten, ich bin sie in 47:13 Minuten gelaufen. Der Plan hatte für km 40 eine Zeit von 3:18 vorgesehen, ich liege also wahnsinnig gut in der Zeit. Ich kann aber meine Beine hier schon deutlich fühlen und es wird doch langsam hart. Nach dem Kilometer 41 habe ich das Gefühl, ich kann das Laktat deutlich spüren, was aber wohl doch eine Täuschung ist. Ich schaue jetzt angestrengt auf das Schild mit der Kilometerangabe 42. Nach zwei Rechtskurven sehe ich dann plötzlich das Zielbanner, jetzt laufen die Beine schon fast von selbst. Ich schaue nur noch Richtung Ziel und schätze, dass mir zu diesem Zeitpunkt ein doch recht merkwürdiges Grinsen ins Gesicht gemeißelt steht, ich merke eine unglaubliche Euphorie. Im Ziel renne ich noch fast einen anderen Läufer um, der unmittelbar hinter der Ziellinie stehen geblieben ist. Die Kleiderbeutelrückgabe erfolgt reibungslos. Die Duschen sind zwar kalt, aber angesichts der sonst sehr guten Organisation kann ich es verkraften. Für die Soforturkunden braucht man auch nicht lange Anstehen und so kann ich recht Schnell ungläubig auf meine Nettozeit blicken: 3:21:00. Anschließend habe ich noch ein paar Läufer von LC Hansa Stuhr getroffen, mit denen ich noch mit einem Becher Sekt angestoßen habe.

Fazit:

Mein erster Marathon war, auch auf Grund des guten Wetters, ein unglaublich schönes Erlebnis, dass ich wohl nie vergessen werde. Auch die Tatsachen, eine Superzeit gelaufen und den "Hammermann" nicht begegnet zu sein, haben hierzu beigetragen. Sehr schön war auch, dass ich am Montagmorgen fast keinen Muskelkater hatte. Ich freue mich schon jetzt auf meinen zweiten im Herbst.



Über den Autor

Dieter Tjaden,
Forenmaster im Fun-
Runners-Laufforum


Links zum Thema

Website von Dieter
Andreas Hünerberg

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