Leichtathletik / Schweizerin siegt beim 28. New York Marathon
Franziska Rochat-Moser und John Kagwe gewinnen

NEW YORK (dpa). Mit dem Lauf ihres Lebens sorgten die Schweizerin Franziska Rochat-Moser und John Kagwe (Kenia) für Überraschungssiege beim 28. New York Marathon.

Während die Schweizer Rekordhalterin gestern bei ihrem New York-Debüt in 2:28:43 Stunden den größten Erfolg ihrer Karriere feierte, verpaßte der Soldat aus Kenia in Abwesenheit des italienischen Titelverteidigers Giacomo Leone in 2:08:12 Stunden den Streckenrekord nur um zehn Sekunden. Zweiter wurde sein Landsmann Joseph Chebet (2:09:27) vor dem Italiener Stefano Baldini (2:09:31).
Läufer-Gewirr auf der Verrazano-Narrows-Brücke. - Foto: dpa
Läufer-Gewirr auf der Verrazano-
Narrows-Brücke. - Foto: dpa
"Ich bin nicht überrascht. Ich wollte aggressiv laufen, und meine Taktik ging auf. Ich liebe New York", sagte Kagwe, der bei seiner dritten Teilnahme in New York die zweitschnellste Zeit in der Renngeschichte des Landlauf-Klassikers in der Millionenmetropole lief und 90 000 Dollar Siegprämie kassierte. Vor mehr als 500 000 Zuschauern ließen sich Kagwe und Franziska Rochat-Moser selbst durch die anstrengenden äußeren Bedingungen mit einer Luftfeuchtigkeit von 95 Prozent und teilweise leichtem Regen nicht aus dem Rhythmus bringen.
Die Debütanten Kenneth Cheruyot und Shem Kororia aus Kenia machten auf den ersten 32 Kilometern das Tempo, ehe sich der zweimalige Sieger German Silva (Mexiko), Chebet und Kagwe langsam absetzten. Nach 39 km startete Kagwe einen Alleingang, ignorierte sogar seine lose gewordenen Schnürsenkel und lief mit unglaublicher Leichtigkeit dem Ziel im Central Park entgegen. Rochat-Moser, WM-Achte, drehte sich unterdessen auf den letzten Metern immer wieder um, scheinbar ungläubig, daß ihr Traum wahr wurde. "Es ist unglaublich. Ich hatte Angst, daß ich noch eingeholt werden würde", erklärte die Rechtsanwältin aus Lausanne.
Mehr als 60 000 Anmeldungen waren beim veranstaltenden New York Road Runners Club eingegangen. 30 463 Läufer nahmen die Herausforderung durch die Stadtteile Staten Island, Brooklyn, Queens, Manhattan und die Bronx an. Das Ein-Tages-Spektakel brachte der Stadt New York City Einnahmen in Höhe von 100 Millionen Dollar.

03. November 1997, Cellesche Zeitung