New York Diary
Im Gewirr der Stimmen

NEW YORK. So muß es sich angehört haben, damals beim biblischen Turmbau zu Babel. Plötzlich redete jeder in einer anderen Sprache. Vor dem Freundschaftslauf am Samstag in New York trafen sich alle Teilnehmer auf dem Platz vor dem Gebäude der Vereinten Nationen. 150 000 Menschen, Italiener, Spanier, Briten, Niederländer, Franzosen, Japaner, Australier, Belgier, Deutsche, und so weiter, und so weiter.
Ein Stimmengewirr, wie ich es noch nie gehört habe, strömte da auf mich ein. Es ist schon beeindruckend, wie viele Menschen zu so einem Ereignis zusammenkommen. Einzig der Wettergott war wohl nicht so angetan. Denn genau zu dieser Zeit begann es in Strömen zu regnen.
Gestern morgen war es dann endlich so weit: Der Marathon stand auf dem Programm. Der Lauf, auf den sich alle Celler "Fun Runners" so lange vorbereitet hatten. Allerdings stand vor dem Zieleinlauf noch eine lange Wartezeit. Um 6.45 Uhr begann die Fahrt in den Startbereich. Und erst um 10.30 Uhr fiel der Startschuß. Wer Rennen will, muß leiden!
Dank des Chefs der Laufreisen-Agentur Grosse Coosmann, Peter Vetter, war ich einer der wenigen bevorzugten Personen, die eine VIP-Karte für den Zielbereich bekommen konnten. So war ich bei Freude und Leid der Athleten hautnah dabei. Wirklich das Highlight des New York-Aufenthalts.
Am Ende des Marathon-Tages stand dann noch ein ganz besonderes Essen. Es ging in ein Restaurant mit singenden Kellnern. Wie wir erfuhren, verdient sich dort die zweite oder dritte Besetzung von den Broadway-Musicals etwas Geld dazu, indem sie die bekanntesten Songs daraus zu gehör bringen. Das Kellnern überlassen sie aber lieber den Fachkräften.
Und nun heißt es auch schon wieder "Bye, Bye" zum Big Apple. Heute nachmittag, Ortszeit 18.10 Uhr, geht der Flieger Richtung Heimat. Viel zu wenig Zeit blieb, um diese Metropole wirklich richtig kennenzulernen.

Jürgen Poestges


03. November 1997, Cellesche Zeitung