Von Jürgen Poestges
NEW YORK. "Wie lange brauchst Du?" Das ist die Frage, die in diesen Tagen in New York am häufigsten gestellt wird. Denn so kurz vor dem wohl bekanntesten Marathon-Lauf der Welt will sich jeder mal so informieren, wie gut der Mitläufer denn wohl drauf ist.
Direkt zu bemerken ist in
der Stadt allerdings nicht, daß so ein Großereignis bevorsteht.
Selbst die New York Times, einer der Hauptsponsoren, hält sich mit
der Berichterstattung noch zurück. Sie stellt lediglich in einer kleineren
Geschichte den Amerikaner Mark Coogan vor, der gern als zweiter US-Bürger
den Marathon einmal gewinnen möchte.
Mehr allerdings merkt man
nicht, von Unruhe keine Spur. Dazu ist diese Stadt einfach zu groß.
Dennoch sind die zahlreichen Touristen, verstärkt in Trainingsanzügen
auf Sightseeing-Tour, eigentlich nicht zu übersehen.
Mit dabei sind auch die
sieben, die sich aus dem Landkreis Celle aufgemacht haben, um ihre Visitenkarte
in der großen weiten Welt abzugeben: Die Celler "Fun Runners". "Laufwunder"
Jörg Grünhagen hat so recht keine Zeit, sich auf den Marathon
richtig vorzubereiten. Denn er ist für die Läuferbetreuung einer
Sportflugreisen-Agentur zuständig. Und er wirkt ziemlich genervt.
"Es klappt eben nicht immer alles so, wie es vorher geplant war", seufzt
er.
Das geht schon beim Abholen
vom Flughafen los. Mitten in den Berufsverkehr gerät die Läufer-Gemeinde
auf dem Transfer in das Hotel. Dafür entschädigt aber die Fahrt
durch das erleuchtete New York mit seinen unzähligen Wolkenkratzern
die gestreßten Sport-Touristen. Aber der Marathon soll ohnehin zwar
der Höhepunkt, aber nicht alleiniger Grund zum New York Besuch sein.
So sieht das eigentlich
auch der Sülzer. "Ich würde ohnehin hier überall herumlaufen.
Da macht es mir überhaupt nichts aus, auch anderen das alles mal zu
zeigen. Wobei mir natürlich entgegenkommt, daß Marathonläufer
auch nicht so anspruchsvoll sind wie 'normale' Touristen."
Für Grünhagen
selber hat der Marathon aber schon eine gewisse Bedeutung. Immerhin hat
er selber gesagt: "Wenn ich nicht unter die ersten 100 komme, ist das für
mich wie eine Niederlage." Deshalb will er vor allen Dingen am Tag vor
dem Lauf ein bißchen kürzer treten. "Ich habe mir ein Ziel gesetzt,
und das will ich auch erreichen. Da muß man sich schon im Vorfeld
intensiver vorbereiten."
Nach dem Marathon in New
York ist auch für ihn noch nicht Schluß mit der Quälerei.
Grünhagen will auch beim Marathon auf Hawaii noch mitlaufen. "Das
heißt, ich muß noch bis Dezember trainieren und mich besonders
ernähren."
01. November 1997, Cellesche Zeitung